Wednesday, June 14, 2006

Den Olymp des Kinoschlafs zu erklettern, wäre eine Nacht der Extended Versions von Lord of the Rings 1-3. Kürzlich war es fast soweit, doch es reichte nur zu einer ZDF-Reportage über Klinsmann. Die Dreiviertelstunde vor dem Fernseher wäre belanglos gewesen, wäre nicht ein Augenpaar neben mir in den Höhlen hin und hergeflitzt a la Jack Torrance, um alle dreissig Sekunden meine Lider zu prüfen. Die Reportage, in der Sprachnorm der deutschen Internetfilmkritik:

Der Film ist so ein Mitteldings aus Reportage und Coming-of-Age Drama, wobei der Zuschauer nicht weiss, ob er heulen oder lachen soll. Der Zuschauer fragt sich dabei, warum er die Schwalbe so oft mitansieht, ohne zu wissen, ob er lachen slash weinen soll. Zuckerbaby Klinsi wechselt die Clubs und wird Trainer, was sich irgendwie okay anfühlt. Allerdings fühlte sich die Reportage ein bisschen feige an, obwohl die Beinmuskeln für die Zuschauerin lecker waren. Nationaltrainer, anyone?

Tuesday, November 15, 2005

the rrcch word

Jeder Kinoschläfer wird den Ellbogenstoss kennen, eine laterale Aufmerksamkeit der Begleitperson, die ihre Erfahrung mit der Umstellung der Atemgeräusche gemacht hat, und einen ins Bewusstsein zurückholt. Längst sind Untote im Film keine Garantie mehr für ängstliche Blickstarre zur Leinwand, mit ein bisschen Bier und ausreichend Dunkelheit kann man auch Zombies im Wohnzimmer wohlwollend ignorieren und in sich zusammennicken. Bis wieder der Stoss kommt.

Letzte Woche, bei Shaun of the Dead, geriet ich dann allerdings an einen Spezialisten, der keine Gemeinheit scheut, um Kinoschläfer zu beobachten und bloßzustellen. Gerade wurde es bequem, da kam der Ellbogen, und von da an heftete sich sein Augenpaar immer wieder prüfend auf mich.

Don't say it, the z-word, beschwört der dumpfe Ed seinen Freund Shaun, als ob er die schlurfenden Gestalten wegdefinieren könnte, wenn er sie nicht beim Namen nennt. Und so versuchen auch meine Atemwege, nicht das Rrch-Wort zu formen. Übrigens ein witziger Film, der funktioniert, hahahar, und uns mit dem erhabenen Gefühl aus dem Kino entlässt, das wir bei allen Zombiekomödien (Wild Zero, Braindead, American Werewolf) in den Alltag mitnehmen möchten. Soooo tot fühlt es sich dann doch alles nicht an.

Saturday, November 27, 2004

King Arthur (2003)

Auch das ist eine Kategorie von Filmen: solche, die einen wünschen lassen, man wäre rechtzeitig eingeschlafen. King Arthur gehört definitiv dazu. Ein Jerry Bruckheimer - Vehikel mit schönen jungen Männern, die aseptisch um England kämpfen. Die historische Unbedarftheit lässt meinen Puls keine Sekunde über 72 steigen, aber wo, beim heiligen Ballhaus, sind hier souveräne Kamerakunst und virtuos geschnittene Kampfszenen, die manche Kritik konstatiert hat? Es wird sicherlich einen Grund geben, Til Schweiger zu casten, und wir werden ihn wohl nie erfahren. Aber in diesen Film passt er einfach perfekt.


Tuesday, September 28, 2004

Rossz nevelés

Ein Blog über das Nicht-Einschlafen im Kino: Kokettieren mit den eigenen Schwaechen? Der Versuch, die verpassten Stellen doch noch zu rekapitulieren? Eine Selbsttherapie, weil niemand an der Seite sitzt, der den Ellbogen ausfaehrt, wenn sanft diese hörbare Veraenderung der Atemgeraeusche einsetzt? Ich bin so oft im Kino, und an einer solchen Chronik werde ich schon merken, was schieflaeuft. Ich sehe es als Versuch, mich mit den vielen hervorragend konstruierten und wohldurchdachten Plots, die an mir Banausen vorbeigingen, zu versöhnen.

Die Premiere für dieses Blog gestern abend im Odeon-LLoyd Mozi in Budapest. Der neue Almodovar, Mala educaión, zum Glück nicht synchronisiert, ich kann, ausser ein paar Worten, kein Ungarisch. Da ich aber Spanisch nur 2% besser kann, konnten weder das Original noch die Untertitel viel zum Verstaendnis beitragen.
Vermutlich faellt das nicht so auf, wenn man alles versteht, aber in dem Film wird unglaublich viel geredet. Almodovar scheint sich nur selten auf seine Bilder zu verlassen. Die Haupthandlungselemente,

education
school
gay-interest
gay-kiss
gay-sex
actor
blackmail
director
drag-queen
film-within-a-film
flashback-sequence
junkie
swimming-pool
sexual-abuse

habe ich auch mitbekommen, nur die Verbindung zwischen ihnen ist mir in ihren Feinheiten entgangen. Diesmal haette es nicht der zufallenden Augenlider bedurft, und es geschah dennoch. Ein Internat mit einem dubiosen Priester, zwei Jungen, die kichernd in einer Kabine erwischt werden, ein ... Feld... Ministranten...
Die Entsprechung für "Vamos!" lautet "Gyerünk!" und das Gesicht eines Erpressten erkennt man an der Musik und den Nacken/Schulterbewegungen. Den Einstieg ins Blog haette ich mir glorreicher gewünscht.